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Der Fehler des Herrn Zumwinkel

Herr Zumwinkel hat 1986 eine Stiftung gegründet. Er ist verurteilt worden, weil er in den Jahren 2002 bis 2007 insgesamt 966.000 Euro Steuern hinterzogen hat. Dafür gab es nur Bewährung und Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro.

Mal abgesehen davon, dass Herr Zumwinkel zu seinem Glück von einer uneindeutigen Verjährungsfrist profitiert, kann man festhalten, dass im Durchschnitt pro Jahr 161.000 Euro Steuern hinterzogen wurden.

Wir brauchen gar nicht über die für einen Normalsterblichen unvorstellbaren Summen reden, von denen hier die Rede ist, die angesichts der Zahlen, die in puncto Wirtschaftsrettung derzeit im Umlauf sind, geradezu wieder lächerlich erscheinen. Betrachtet mal allerdings Eure persönliche wirtschaftliche Situation: Dass 161.000 Euro Steuern anfallen, wäre für die meisten wohl wünschenswert.

Man sollte sich aber auch klar machen, dass man mit gesundem Menschenverstand davon ausgehen kann, dass Herr Zumwinkel für 15 Jahre (lassen wir das Gründungsjahr mal außen vor)  Steuerhinterziehung aufgrund der Verjährungsfristen (die auf Höhe etlicher wirtschaftsrechtlicher Sachverhalte liegt, während viele Aufbewahrungsfristen deutlich höher liegen) bei dem Durchschnitt von 161.000 Euro * 15 auf 2.415.000 Euro "vermiedene Ausgaben" kommt. Selbst wenn man davon ausgeht, dass sich sein Vermögen in den letzten Jahren sukzessive vermehrt hat (inklusive der hinterzogenen Steuersummen), kommt Herr Zumwinkel mit allergrößter Wahrscheinlichkeit unter dem Strich mit einem Plus aus der Affäre, selbst wenn man die Anwalts- und Gerichtskosten (die bei diesem kurzen und unaufwendigen Verfahren gering gehalten wurden) noch bedenkt.

Vor diesem Hintergrund erscheint mir das Strafmaß als nicht zwingend. Bedenkt man noch die Querelen um die ehemals zuständige Staatsanwältin Frau Lichtenhagen, dann passt in diesem Verfahren zu viel zu gut oder gerade gar nichts zusammen. Herr Zumwinkel wird sich auf seine Burg am Gardasee zurückziehen. Alles in allem: Es hat sich wohl doch gelohnt.

Bleibt die Frage, worin der nach Aussage von Herrn Zumwinkel "der größte Fehler meines Lebens" bestehen soll. Mehr als 20 Jahre hat Herr Zumwinkel Steuern hinterzogen (wenn auch nur 6 Jahre justiziabel). Wem will er glaubhaft vermitteln, dass ihn vor dem Klingeln der Staatsanwalt am frühen Morgen des 18. Februar 2008 jemals ein Gedanke der Reue, ein Anflug von schlechtem Gewissen, ein Zweifel an seinem Vorgehen belastet hat. Ihm, der sich seiner Leistungen und Verdienste rühmt (was im Strafmaß ebenfalls Berücksichtigung gefunden haben soll). Das angelegte Vermögen war übrigens kein Verdienst, sondern schlicht geerbt.

Es wird argumentiert, dass der Reputationsverlust und die Schande für einen Herrn Zumwinkel immens seien. Aus seiner Sicht dürfte das zutreffen, das will ich ihm abnehmen. Nur könnte sich Herr Zumwinkel vielleicht klar machen, wie larmoyant und bigott diese Haltung ist, wenn er sich vergegenwärtigt, dass ca. 99% aller Bundesbürger sich solch Schicksal wünschen.

Soviel dazu.
Euer Walter

27.1.09 10:49
 


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